Physiologische Daten, Haltung, Fuetterung etc.
Gewicht je Rasse: 1 – 8 Kg
Koerpertemperatur: 38 – 39,5 Grad C.
Lebenserwartung: 8 – 12 Jahre
Geschlechtsreife 4 – 5 Monate
Traechtigkeitsdauer: 28 – 31 Tage
Wurfstaerke: 2 – 6, kleinere Rassen haben weniger Junge
Zaehne oben: 2 Schneide und 6 Backenzaehne
Zaehne unten: 1 Schneidezahn und 5 Backenzaehne
Haltung und Pflege
Die Grundregeln fuer Haltung und Pflege der Kaninchen sind im allgemeinen die gleichen wie bei Meerschweinchen.
Oft werden Kaninchen und Meerschweinchen zusammen in einem Gehege untergebracht. Sie vertragen sich meistens gut, ja es gibt dabei sogar ausgesprochene Freundschaften. Allerdings sollte man wenn moeglich sich bei der Anschaffung lieber fuer zwei der gleichen Art entscheiden, da Meerschweinchen und Kaninchen unterschiedliche Sprachen sprechen. Das Verhalten ist beim Meerschweinchen anders zu interpretieren als beim Kaninchen. Deshalb kann es unter Umstaenden zu Verstaendigungsschwierigkeiten untereinander kommen.
Bei einzel gehaltenen Tieren, besonders wenn sie schon etwas aelter sind, kann es vorkommen, dass sie einen neuen Stallgefaehrten ablehnen. Das Meerschweinchen zieht dabei immer den kuerzeren. Es ist daher besser, die Tiere wieder zu trennen.
Waehrend man bei den geschaeftig hin- und herlaufenden Meerschweinchen den Eindruck hat, sie haetten sich immer was zu sagen, muemmeln Kaninchen haeufig stur vor sich hin. Aber man sieht es ihnen an, wenn sie zufrieden sind.
Kaninchen sind aber wie die Meerschweinchen gesellige Tiere. Wenn sie einzeln gehalten werden und viel alleine sind, verkuemmern sie oder werden agressiv. Da nuetzen auch der beste Stall und die vorbildlichste Fuetterung nichts. Sie werden bewegungsunlustig, fett und krank.
Artgerechter ist es mind. Zwei Tiere zusammen zu halten. Junge Weibchen – am besten aus einem Wurf – vertragen sich gut. Zwei Rammler akzeptieren sich nur in der Kinderzeit, spaeter gibt es erbitterte Kaempfe. Ein Paerchen ist ideal. Da aber eine fruchtbare Paarung jederzeit moeglich ist, wuerde sich mehrmals im Jahr – bis zu 6 Stueck – Nachwuchs einstellen. Das ist sicherlich auch nicht immer erwuenscht. Vielleicht waere in so einem Fall die Kastration des Maennchens zu erwaegen. Haben sich zwei Tiere erst einmal aneinander gewoehnt, ist eine spaetere Trennung nicht gut. Die Tiere wuerden um ihren Partner trauern.
Ein gut geschuetztes Freigehege, besonders im Sommer, ist fuer Kaninchen wie fuer Meerschweinchen natuerlich der beste Auslauf.
Aber Vorsicht: Kaninchen sind Grabetieren und springen aus dem Stand bis zu 1 Meter hoch!
Wen die Tioere sich laengere Zeit selbst ueberlassen sind, kann es vorkommen, dass sie sich unter dem Gehege durchgraben und schnell verschwinden. Die Einzaeunung des Geheges aus festem, stabilem Maschendraht muss mind. 20 cm tief in die Erde eingelassen werden. Das Graben ist fuer die Tiere eine nuetzliche Beschaeftigung, es verschafft Bewegung und nutzt die Krallen ab.
Kaninchenhaltung ist in einer Wohnung ohne Balkon oder Terrasse nicht zu empfehlen!
Raeume mit ueber 20 Grad C. sind bereits indiskutabel. Auch Radio- und Fernsehtoene sind nichts fuer die geraeuschempfindlichen Kaninchenohren. Selbst wenn ein Kaefig gross genug ist, braucht das Kaninchen mehrmals taeglich seinen Auslauf. Kaninchen knabbern aber alles an, was ihnen in den Weg kommt, und scheuen sich auch nicht, den sorgsam verlegten Teppichboden „aufzugraben“. Boxen von Stereoanlagen geben bald schon keinen Ton mehr von sich, weil sie die Kabel durchgebissen haben.
Sind ein Balkon oder eine Terrasse vorhanden koennen die Tiere wenigstens tagsueber frei herumlaufen. Die aufgestellte Toilettenkiste mit Katzenstreu oder die im Zoohandel erhaeltliche Kaninchentoilette wird von ihnen bestimmt benutzt. Ein schattiges Plaetzchen im Sommer bietet Schutz vor Sonne und Hitze, im Winter ist vor allen Dingen auf Balkonen mit Fliesen oder Betonboden eine warme Unterlage im Schutzhaus wichtig. Ein Stueck Teppichboden oder eine alte Wolldecke genuegen dafuer vollkommen. Kaninchen koennen kalte luft besser vertragen als Zugluft und Naesse. Das ist wie beim Meerschweinchen.
Fuetterung
Die Grundregeln fuer die Fuetterung gleichen denen fuer Meerschweinchen. Auch Kaninchen duerfen kein verdorbenes, gespritztes oder schlechtes Futter bekommen. Ihr Lieblingsfutter ist Loewenzahn. Dieses preiswerte Gruenfutter ist das ganze Jahr ueber zu haben und kann auch in groesseren Mengen staendig verfuettert werden. Kaninchen koennen dadurch allerdings auch zu Feinschmeckern erzogen werden. Besonders im Winter wird das zu einem Problem, wenn sie rohe Kartoffelschalen und andere nicht so schmackhafte Kuechenabfaelle verschmaehen.
Kekochte Pellkartoffeln werden meistens besonders gerne verzehrt. Allerdings sollte die Menge bei ihnen – besonders bei der Haltung in einer Wohnung – etwas dosiert werden; das gilt auch bei Koernerfutter und altem Brot. Kaninchen fressen oft aus Langeweile ungeheuer grosse Mengen. Da sie ohnehin meist wenig Auslauf haben, werden sie schnell fett, traege und anfaellig fuer Krankheiten. 2 bis 3 Haende voll Koerner oder Fertigfutter – je nach Groesse der Tiere und Groesse der Haende – sind ausreichend.
Gefuettert wird morgens und am fruehen Abend. Bleibt Futter uebrig, gibt es am anderen Tag etwas weniger. Angebotenes Gruenfutter wird nach einigen Stunden entfernt, wenn es nicht voellig aufgefressen ist. Niemals nasses Gruenfutter fuettern. Gesammeltes sollte immer abgewaschen und danach abgetrocknet werden.
Wichtig ist auch das Angebot von Zweigen und Knollenfruechten zum Abnutzen der Zaehne und natuerlich sollte ihnen zu jeder Zeit Heu zur Verfuegung stehen.
Trinknaepfe im Kaefig werden von Kaninchen staendig hochgehoben und ausgeschuettet. Sie machen das mit wahrer Begeisterung. Statt Wassernaepfe sollte man also lieber Trinkautomaten anbringen.
Pflanzen, die Blaehungen hervorrufen, sind besonders fuer Jungtiere gefaehrlich.; dazu zaehlen: Wirsing-, Rot- und Weisskohl und auch zu viel Salat. Kohl sollte man moeglichst ganz weglassen. Auch eine generelle und ploetzliche Umstellung von vorwiegend Trockenfutter zu ausschliesslich Gruenfutter muss vermieden werden. Bei Jungtieren ist Durchfall eine der haeufigsten Todesursachen, also Futterumstellungen bitte langsam vornehmen.
Das angebotene Futter darf – ob Winter oder Sommer – nie zu kalt oder zu warm sein; Gemuese aus dem Kuehlschrank erst auf Zimmertemperatur bringen.
Traege und saeugende Haesinnen muessen besonders gut und abwechslungsreich ernaehrt werden. Auch ihr Fluessigkeitsbedarf ist waehrend dieser Zeit sehr hoch. Ein Schaelchen verduennte Kuhmilch wird meistens sofort ausgetrunken. Wenn nicht, die Milch sofort wieder wegnehmen, da sie sonst mit Sicherheit umgeschuettet wird oder saeuert. Viel Brennesseln sollten unter das Futter gemischt werden, sie foerdern den Milchfluss. Saugende Jungtiere sollten als Zusatzfuetterung viel Heu angeboten bekommen. Erst allmaehlich wird das Heu mit Gruenfutter gemischt.
Zum Schluss noch einmal eine Aufstellung der beliebtesten und gesuendesten Nahrungsmittel fuer Meerschweinchen und Kaninchen: Heu, trockenes Brot, Knaeckebrot, Haferflocken, Mais, Fertigfutter, Aepfel, Birnen, Moehren und ihr Gruen, Kartoffeln in roher und gekochter Form, Loewenzahn, Beifuss, Brennessel, Hirtentaeschel, Milchdistel, Sauerampfer, Beinwell, Esparsette, Zweige von Obstbaeumen, Weiden, Buchen und Haselnussstraeuchern.
Geburt bei Kaninchen
Im Gegensatz zum Meerschweinchen geht es bei der Geburt von Kaninchen nicht immer ganz ohne Komplikationen zu. Tragende Haesinnen sind sehr eigenwillig und reagieren auf Stoerungen in ihrer vertrauten Umgebung oft mit Fruehgeburten. Werden die Tiere in kleineren Staellen oder Kaefigen mit wenig Auslauf gehalten, muessen die Rammler unbedingt nach dem Deckakt entfernt werden. Kurz vor der Geburt, die Traechtigkeitsdauer betraegt 28 bis 31 Tage, sollte die Haesin nicht mehr hochgehoben oder aus dem gewohnten Stall entfernt werden. Fremde Personen sind meist nicht erwuenscht und erzeugen Nervositaet.
Etwa 1 Woche vor der Geburt beginnt die Haesin mit dem Nestbau. Sie benoetigt dazu viel Heu und Stroh. Da die Kaninchenbabys nackt und blind auf die Welt kommen, polstert die Mutter die Kinderstube mit ihrer eigenen Wolle aus und deckt sie auch damit zu. Bei kalter Witterung – Kaninchen bekommen auch im Winter Junge – tuermt sie das Nest zu einem richtigen Berg auf.
Waehrend der meist nächtlichen Geburt darf sie auf keinen Fall gestoert werden. Sie schafft alles ganz alleine, und das bei 2 bis 6 Kindern. Der Grund warum Haesinnen manchmal ihre Kinder nach der Geburt auffressen oder im ganzen Stall verteilen, ist noch nicht erforscht. Unruhe, Stoerungen, mangelnde oder falsche Ernaehrung koennten die Ursache sein. Eine Nestkontrolle, um eventuelle tote Junge herauszunehmen, muss sehr vorsichtig vorgenommen werden. Es ist gut, die Haesin dabei mit einem Bissen Lieblingsfutter abzulenken und ihr gut zuzureden.
Die jungen Kaninchen werden etwa 6 Wochen lang gesaeugt. Sie beginnen aber schon nach 3 bis 4 Wochen zusaetzlich an Heu oder Gruenfutter zu knabbern. Waehrend der Traechtigkeit und solange die Jungen genaehrt werden, sollte gutes, ausreichendes Futter und immer frisches Wasser selbstverstaendlich sein.